Und wie geht's Deinem inneren Kind?

Hast Du Dich schon mit ihm ausgesöhnt? 
Hast Du es schon angenommen?


Solche und ähnliche Fragen tauchen immer wieder auf, wenn es um unser inneres Kind geht. 
Und meist folgt auf diese Frage der gute Rat, als Erwachsener sein inneres Kind anzunehmen, sich mit seinem inneren Kind auszusöhnen. 
Das klingt gut, es berührt vielleicht sogar und ist auf den ersten Blick nachvollziehbar.

Aber hilft das Aussöhnen und Annehmen Deinem inneren Kind (und damit Dir) wirklich?

Die Antwort auf diese Frage ist leider nicht so positiv, wie es uns die vielen Inneres-Kind-Seminare und -Bücher immer wieder versprechen. 
Tatsächlich hilft das viel praktizierte Annehmen und Versöhnen unserem inneren Kind und uns selbst viel weniger als wir erhoffen... 

"Das brauchen wir uns nicht mehr anschauen, mit meinem inneren Kind bin ich im Reinen :-) ihm geht es gut!" So oder ähnlich und meist dabei lächelnd berichten Klienten im Gespräch vor einer Synergetik- oder Psychobionik-Sitzung oft über ihre bereits vollzogene Aussöhnung mit ihrem inneren Kind und über seine liebevolle Annahme. 

Wenn aber mit Beginn der therapeutischen Arbeit die gleichen Menschen bereits nach kurzer Reise durch ihre Innenwelt dort ein inneres Kind vorfinden, das traurig oder apathisch oder weinend in der Ecke sitzt, dann ist das ein weniger schönes Aha-Erlebnis. 

Denn an diesem Punkt stellt sich die Frage: 
Warum ist mein inneres Kind trotz aller Aussöhnung und aller liebevollen Annahme in diesem Zustand? 
Wer ist denn eigentlich dieses innere Kind? 

Ganz einfach gesagt spiegelt unser inneres Kind die Gesamtheit all unserer während der Kindheit gemachten Erfahrungen und erlebten Gefühle, insbesondere die mit der Mama und dem Papa. Gab es in dieser Zeit Mangel an Liebe, an Versorgung, an Anerkennung, gab es vielleicht sogar traumatische Erfahrungen, dann werden diese Erfahrungen des inneren Kindes oft zu tiefsitzenden Prägungen - mit Auswirkungen auf das gesamte künftige Leben. 

Stellen wir uns ein vielleicht 5jähriges Kind vor, das gerade eine lieblose Mama erlebt, eine Mama die es für irgendeine Kleinigkeit in sein Zimmer sperrt, die mit Liebesentzug, Missachtung oder vielleicht sogar mit körperlicher Gewalt reagiert. Dieses Kind erlebt und fühlt in diesem Moment Schlimmes und vor allem Prägendes, denn ein solches Mama-Erlebnis wird unmittelbar in der Psyche abgespeichert und bestimmt "aus diesem Untergrund heraus" künftige Gefühle und Verhaltensstrukturen. 

Selbstwertdefizite, ein unangemessen großes Verlangen nach Zuwendung durch andere Menschen oder das eigene Unvermögen zu Empathie oder liebevoller Zuwendung sind nur Beispiele für die möglichen späteren Folgen daraus.

Ja natürlich kann jeder Erwachsene in seiner "Innenwelt", in seiner Vorstellung oder im Rahmen einer Meditation zu seinem weinenden oder verletzten inneren Kind gehen, es trösten, es liebevoll in den Arm nehmen und ihm sagen, dass er nun immer für es da sei. Jedenfalls kann das derjenige, der sein inneres Kind nicht ablehnt oder gar verachtet. Dieses innere Kind wird in diesem Moment mit Sicherheit ein Stück Erleichterung erfahren, vielleicht sogar ein Gefühl von Zuwendung und Liebe spüren. Solche berührenden Prozesse sind in jedem Inneres-Kind-Seminar erlebbar.

"Da bin ich dann hingegangen, hab es schützend in den Arm genommen und es liebevoll getröstet..." 

Was unser inneres Kind dabei jedoch leider nicht spürt und nicht erfährt, das ist das tiefe, das bleibende, das Urvertrauen erzeugende Gefühl echter elterlicher Zuwendung und Liebe. Genau diese Erfahrung wäre aber entscheidend für das Wohl des Kindes, für seine Prägungen und für die Lebensqualität des späteren Erwachsenen. Nicht Liebe von "irgend wem", auch nicht die vom gut meinenden Erwachsenen-Ich aus der Zukunft wird benötigt, sondern die Liebe der leiblichen Eltern, von Mama und von Papa.

Es kann somit überhaupt nicht die Aufgabe des heutigen Erwachsenen sein, sein inneres Kind nun mit der Liebe versorgen zu wollen, die es normalerweise von seinen Eltern hätte bekommen müssen, aber nicht bekam. Ein von seinen Eltern nicht geliebtes Kind kann von seinem zukünftigen Erwachsenen-Ich bestenfalls mit einer Art "Ersatz-Zuwendung" versorgt werden - niemals aber mit den Gefühlen, die liebevolle Eltern ihrem Kind zuteil werden lassen. Und selbst diese Ersatz-Zuwendung kann nur mangelhaft sein, denn diesem Erwachsenen fehlt ja selbst diese eigene Erfahrung liebevoller Eltern in der Kindheit. Die bräuchte er mindestens, um sie weitergeben zu können. 

"Wenn Mama und Papa nicht für mich da sind, dann sorgt halt jemand anderes für mich!"

Das ist nun die neue Erfahrung eines inneren Kindes, das statt von seinen Eltern von seinem Erwachsenen-Ich mit der ihm fehlenden Liebe und Zuwendung versorgt wird. 

Dies kann dann leicht zum Ursprung weiterer, den Lebensfluss blockierender Verhaltensmuster führen, z.B. wenn vom Partner oder von der Partnerin erwartet wird, alte Elterndefizite auszugleichen!

Kommt Dir das bekannt vor?

Die "Ersatzversorgung" des inneren Kindes durch den heutigen Erwachsenen ist daher nicht nur unvollkommen, sie festigt sogar noch die psychische Struktur der nicht erlebten Elternliebe mit verschiedensten Folgen.

Was also tun für das innere Kind?
Die Antwort lautet: Wenn der heutige Erwachsene seinem inneren Kind tatsächlich helfen will, dann muss er dafür sorgen, dass sein inneres Kind endlich die liebevollen und vertrauenswürdigen Eltern bekommt, erlebt und spürt, die als sich liebendes Paar bedingungslos hinter ihm stehen und ihm all das geben, was es benötigt. Nur ein solches Kind kann eine unbeschwerte und glückliche Kindheit erleben und diese Erfahrung an sein späteres Erwachsenen-Ich weitergeben.

Ist das nun Utopie oder wie "erschafft" man solche idealen Eltern?
Für das innere Kind (als im Erwachsenen lebendig existierender Anteil) geht es nicht um die Eltern im Außen, nicht um die von damals und nicht um die von heute. An dem, was in der eigenen Lebens- geschichte passiert ist, lässt sich ja in der Tat nichts ändern. Sehr wohl aber an dem, was diese Lebensgeschichte an Gefühlen, an Prägungen, also an Informations-Strukturen in unserer Psyche hinterlassen hat. 

Mancher hat seine realen Eltern vielleicht früh verloren oder sie gar nie kennen gelernt. In entsprechender Verfassung wird sein inneres Kind sein. Wie also sollte ihm geholfen werden? 

Ganz sicher nicht, in dem (wie es ganz überwiegend praktiziert wird) dem inneren Kind als Erstes einmal Verständnis implementiert wird, für das Nichtdasein der Eltern oder dafür, dass sie nicht liebevoll waren. Dafür lassen sich immer tausendundein Grund finden, wie Zeitmangel, Überlastung, gesellschaftliche Umstände oder Armut. 

Und ganz sicher auch nicht, indem das innere Kind als Zweites dann auch noch angeleitet wird, diesen inneren Eltern zu vergeben!    (siehe hierzu das Kapitel "Vergebung")

Für das innere Kind sind die inneren Eltern wichtig. Und die sind, genau wie das innere Kind selbst, einzig in der Psyche zuhause. Von hier aus bestimmen sie unser heutiges Leben. Und nur hier ist der Ort, seinem inneren Kind großartige liebevolle Eltern und damit eine glückliche Kindheit zu verschaffen.

"Dann werde ich jetzt anfangen, mir tolle Eltern vorzustellen, mir diese Eltern in der Psyche schön zu denken..." ist ein Satz den wir nicht selten hören. Nein, positives Schöndenken oder die Suggestion toller Eltern durch den hypnosekundigen Therapeuten ändern nichts an unseren inneren Strukturen. Das unmittelbar danach spürbare Hochgefühl wäre nur das Resultat vom Übertünchen ungewollter Dinge, die ja deswegen nicht aus unserer Psyche verschwinden. Die wirken dann nur aus einem jetzt noch tieferen Keller weiterhin auf unser Leben. Das ist nicht immer sofort spürbar - was diese Strategie so trügerisch macht - aber wenn sich dem Leben eine Gelegenheit bietet, sind die alten Dinge im neuen Gewand wieder da.

Wie also erschaffe ich mir dann diese inneren Eltern? 
Einfache Antwort: Gar nicht. 
Wir brauchen diese idealen Eltern nicht zu "erschaffen", denn sie sind längst da. Als archetypische Urbilder mit den idealen Qualitäten von Mutter und Vater sind sie, wie schon von C.G.Jung beschrieben und von der Psychobionik nachgewiesen, im kollektiven Bewusstsein der Menschheit, also in jedem von uns vorhanden. Die Evolution hat sie dort entstehen und sich über die Generationen der menschlichen Entwicklung optimieren lassen. Zur liebevollen und uneingeschränkt nährenden Ur-Mama sowie zum versorgenden und stets auf seine Kinder stolzen Ur-Papa - zu Eltern also, die sich selbst und ihre Kinder über alles lieben. 

Solange jedoch negativ geprägte Elternerfahrungen oder deren Fehlen während der Kindheit in unserem Unterbewusstsein still den Ton angeben und unser inneres Kind "im Griff" haben, solange bleiben die archetypischen Urbilder mit ihren Qualitäten außen vor. Sie bleiben für das innere Kind unzugänglich, denn ihr Platz in der Psyche ist anderweitig besetzt.

Die Psychobionik beschreibt diese idealen Urbilder nicht nur, sie ermöglicht es als bisher einzige Herangehensweise, mit den synergetischen Rückkoppelungstechniken diesen Urbildern ihren wichtigen Platz in der Psyche zu geben - sie zu aktivieren. Sie werden dem inneren Kind zugänglich und es erfährt im wahrsten Sinne des Wortes optimale innere Eltern

Viele unserer Klienten verschaffen ihrem inneren Kind und damit sich selbst diese inneren Erfahrungen, die immer bewegend, befreiend und beglückend sind.

Ein inneres Kind mit diesen Erfahrungen braucht nun nicht mehr den Trost des heutigen Erwachsenen oder die Annahme durch ihn. Es geht ihm ganz von selbst gut! 

Es ist angenommen, es ist fröhlich, neugierig, verspielt, experimentierfreudig, es hat alles, was es braucht. Und das besonders Tolle: Mama und Papa finden alles richtig gut, was es macht! 

Und wenn der heutige Erwachsene dieses innere Kind in seiner Innenwelt besucht, dann wird es diesem "Besucher aus der Zukunft" freudig seine wunderbaren, liebevollen Eltern präsentieren. 

Dass dabei die bisher abgespeicherten Informationen der unvollkommenen "alten" Eltern auf nachhaltige Weise destabilisiert und dadurch zerstört werden, ist wichtige Bedingung dafür, dass die archetypischen "neuen" Eltern nicht nur den Weg zu unserem inneren Kind finden können sondern auch dauerhaft ihren Platz bei ihm einnehmen. 

Abgespeicherte Informationen zu zerstören ist übrigens nichts Schlimmes. Wir tun das im täglichen Leben gar nicht selten. Wenn wir z.B. ein missglücktes Foto der besten Freundin von unserem Smartphone löschen, dann löschen wir ja nicht die Freundin, dann tun wir ihr auch nicht weh, dann zerstören wir lediglich eine bestimmte Anordnung von Informationseinheiten (Einsen und Nullen nennt das die Informatik) auf dem Speicherchip - und schaffen Platz für Besseres ;-) 

Wer seinem inneren Kind eine Kindheit mit diesen archetypischen Eltern ermöglicht,
der wird in seinem tiefen Innersten ein dauerhaft glückliches und geliebtes Kind spüren,
dessen Qualitäten bis ins Heute wirken.